Hausgeschichte

Foto von 1893, Autor unbekannt

Foto von 1893, Autor unbekannt

Aus Holzuntersuchungen während der Sanierungsarbeiten 1993/94 weiß man, dass das Haus um 1580 erbaut wurde. Sicher wurde es in den mehr als 400 Jahren von Zeit zu Zeit in Teilen erneuert. Vom ursprünglichen Haus sind jedoch die ostseitige Giebelwand und die Mittelwand mit Schornstein größtenteils erhalten. Für diese Annahme spricht, dass diese Wände in Lehm-Staken-Bauweise ausgeführt sind. Die Gefache der drei anderen Fachwerk- Außenwände dagegen sind mit Ziegeln ausgemauert.

Eine grundhafte Erneuerung geschah möglicherweise nach dem Dreißigjährigen Krieg als eine neue Generation das Haus übernahm. In diesem Jahrhundert gab es viel Not und Elend in der Stadt. Wir wissen von drei großen Stadtbränden, von Hochwassern und davon, dass zweimal die Pest in der Stadt wütete, 1626 und 1680 noch einmal. Außerdem haben die Schweden im Dreißigjährigen Krieg die Stadt geplündert und die Bevölkerung aufs Übelste drangsaliert. Was dem Häuschen und seinen Bewohner geschah, ist nicht überliefert. Erstmals erwähnt ist das Häuschen in einem Dokument, das berichtet, dass es den großen Stadtbrand im Jahr 1705 unbeschadet überstanden hat und, dass  es damals bereits in seiner heutigen Form als ein Ackerbürgerhaus bestand.

Ein Foto von 1893 belegt, dass das Haus schon damals verputzt war. Die historischen Fenster, die Haustür und ein Wandschrank stammen von 1820.
Im Jahr 1993 wurde das Fachwerk als Teilmaßnahme zu Beginn der Sanierungsarbeiten wieder freigelegt und der nicht denkmalgeschützte Hausanbau vom Ende des 19. Jahrhunderts zurück gebaut.

Hist_Bild

Foto um 1910, Autor unbekannt

Den 2.Weltkrieg, in dem die Innenstadt Sprembergs zu fast 70 Prozent zerstört wurde, hat das Häuschen überstanden, ebenso die Zeit des Verfalls der Altbausubstanz in den DDR-Jahren. Bis etwa 1973 gehörte Spremberg zum Bergbauschutzgebiet als Vorbehaltsfläche für Braunkohleabbau. Die Stadt Spremberg sollte dem Braunkohlebergbau geopfert werden. In dieser Zeit gab es keine Baugenehmigung und fast keinen Grund zur Erhaltung vorhandener Bausubstanz. Die damalige Besitzerin, Frau Sonntag, hatte das Grundstück so gut erhalten wie es ihr möglich war und sinnvoll erschien. Sie hatte das Haus 1942 von ihrem Vater überschrieben bekommen und lebte hier mit ihrer Tochter bis 1987. Dann musste sie es aus Altersgründen verlassen und übergab es der  Verwandtschaft.

Histr Foto 3

Foto: Autor unbekannt

Nach der politischen Wende erwarb 1992  der damalige Kreis Spremberg das Haus.  Man hatte die Absicht es für Ausstellungen und touristische Zwecke zu nutzen. Dazu musste es grundhaft saniert werden. 1993 begann die  erste Phase der Restaurierung. Leider wurden die Arbeiten 1994 als Folge der Brandenburger Kreisgebietsreform abrupt eingestellt. Spremberg verlor seinen Status als Kreisstadt und eine weitere Finanzierung war durch den neuen Kreis Spree-Neiße nicht mehr gegeben. Bedauerlicherweise war die Dachsanierung zu dem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Die Baustelle wurde nicht beräumt. Im Haus und im Innenhof blieben Unmengen unsortierter Bauabfälle zurück.

Die Hofmauer wurde im Zuge von grundhaften Kanal- und Strassenbauarbeiten in der Burgstrasse im Jahr 1997 erneuert. (zweite Phase der Sanierungsarbeiten).
Bei der Gelegenheit wurden die Nebengebäude im Grundstück auf Grund gravierender Bauschäden  ersatzlos zurück gebaut.  Auch hiervon blieben Unmengen Bauschutt und Mischabfall im Hof zurück.
(Fotos: A. Schulz)

Hofmauer 1997

Hofmauer 1997, Foto: Dr. Kantor

 

 

Da das Haus in seinem unfertigen Bauzustand nicht genutzt werden konnte, verkaufte der Kreis Spree-Neiße das Objekt 1998 an einen Immobilienmakler.  Leider unternahm er keine Schritte zur Fortsetzung der Sanierungsarbeiten.

2006 gab es das Bestreben einer gebürtigen Sprembergerin, das Häuschen für sich zu Wohnzwecken nutzbar zu machen, aber sie hat ihr Vorhaben nach unseren jetzigen Erkenntnissen nach etwa einem halben Jahr wieder aufgegeben.
Aber während dieser Zeit wurde immerhin die Möglichkeit eines Abwasseranschlusses geschaffen und eine Frischwasserleitung ins Haus neu verlegt, jedoch noch ohne Abnahmemöglichkeit.

Das Haus stand weitere Jahre leer und ungenutzt, war von Verfall und Vandalismus bedroht.

In diesem Zustand des Hauses einer verlassenen Baustelle von 1994 übernahm unsere Interessengemeinschaft das Objekt zur Jahreswende 2011/2012. Nach Erwerb und Einholung aller erforderlichen behördlichen Genehmigungen startete im Januar 2012 die dritte Phase der Sanierungsarbeiten.
Die Interessengemeinschaft SONNTAGSCHES HAUS SPREMBERG
möchte das Haus unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes und bautechnischer Gesichtspunkte für weitere Generationen erhalten.
Der 2015 gegründete gemeinnützige Verein soll neues kulturelles Leben ins Häuschen bringen.

nach oben